Natürlicher
Luftwechsel in Atrien: Beispiel Energieforum Berlin
Der Gesamtluftwechsel
in normalen Aufenthaltsräumen (Büro, Wohnung) wurde
in der Vergangenheit bereits umfangreich messtechnisch untersucht
und bewertet, so dass im Planungsstadium von neu zu errichtenden
Gebäuden eine gute Abschätzung des zu erwartenden Raumluftwechsels
vorgenommen werden kann.
Diese Erfahrungswerte gelten jedoch nicht für hallenartige
Räume wie Atrien, an die andere Anforderungen an die Lüftung
gestellt werden. Atrien sind heutzutage in vielen Entwürfen
für anspruchsvolle Neubauvorhaben als gestalterisches Element
und zentrales Verbindungselement zwischen verschiedenen Nutzungsbereichen
enthalten.
Derzeit existieren für Atrien weder abgesicherte Erkenntnisse
über den jahreszeitlichen Verlauf des Luftaustausches noch
über die sich einstellenden mittleren Werte einer Periode.
Die Kenntnis dieser Größen ist allerdings Bedingung,
wenn eine Abschätzung der zu erwartenden Raumluftqualität
vorgenommen werden soll.
Um festzustellen, auf welchen Effekt der Luftwechsel in einem
Atrium tatsächlich zurückzuführen ist, wurden im
Rahmen einer Forschungsarbeit Messungen in einem realen Gebäude
und umfangreiche Simulationsrechnungen durchgeführt.
Diese Untersuchungen haben gezeigt, dass die Einflüsse des
windinduzierten und des temperaturinduzierten Luftwechsels sich
nicht additiv überlagern und der Ansatz des windinduzierten
Luftwechsels zu insgesamt realistischen Ergebnissen führt.
Der Luftwechsel im Innenraum wird insbesondere bei freier Lüftung
stark von der Gebäudegeometrie, der umgebenden Bebauung und
der jeweiligen Windrichtung beeinflusst. Statistische Winddaten
sind für die meisten Standorte in Deutschland verfügbar.
Diese bilden somit eine gute Datengrundlage zur Bestimmung von
geeigneten Randbedingungen im Planungsstadium. Mit Hilfe eines
Diagramms zur Ermittlung des Luftwechsels, kann bei Kenntnis der
für einen bestimmten Gebäudestandort im Jahresdurchschnitt
auftretenden Häufigkeiten von Windrichtung und Windgeschwindigkeit
der durchschnittliche, windinduzierte, natürliche Luftwechsel
in einem Atrium ermittelt und ggf. optimiert werden
Der Bestimmung
der maßgeblichen gebäude-spezifischen Druckdifferenz
zwischen Zu- und Abluftöffnungen kommt in diesem Zusammenhang
eine besondere Bedeutung zu. Druckbeiwerte, die an geschlossenen
Fassaden ermittelt wurden, führen unter Umständen dazu,
dass die Luftwechsel zu hoch eingeschätzt werden, insbesondere
wenn sowohl die Zu- wie auch die Abluftöffnung durch den
Winddruck/-sog beeinflusst werden.
Weiterhin
ergab die Studie, dass allein die Angabe des Luftwechsels nicht
ausreichend ist, um das Raumklima in einem großen Raum (z.B.
Atrium) zu beurteilen. Um die Strömungsform des Gesamtlufthaushalts
zu bewerten, sollte auf jeden Fall der Luftaustauschwirkungsgrad
ermittelt werden. Zu einer genaueren Analyse der Raumluftqualität
sind darüber hinaus weitere Kenngrößen wie der
Luftaustauschindex zur Beschreibung der zu erwartenden Luftalterverteilung
erforderlich. Er wird maßgeblich von der Lage und Art der
Zu- und Abluftöffnungen sowie von der Windrichtung beeinflusst,
ist aber weitgehend unabhängig von der Windgeschwindigkeit.
Bei Kenntnis des Luftaustauschindexes und dem dazugehörigen
Luftaustauschwirkungsgrad kann das lokale Luftalter an jedem beliebigen
Punkt im Raum für jeden Luftwechsel bestimmt werden.
Die Strömungssimulation hat sich als geeignetes Planungshilfsmittel
erwiesen. Um den Rechenaufwand insgesamt zu reduzieren, ist eine
Kombination aus Simulation und Rechenverfahren nach British Standard
Method anzustreben.
Die Ergebnisse lassen sich anschaulich in einem gebäudespezifischen
Diagramm zur Ermittlung des windinduzierten Luftwechsels zusammenfassen.
Forschungsarbeit
am Institut für Gebäude- und Solartechnik, TU Braunschweig